Kinderklink auf Ebay

Kinderklinik auf eBay

 

Werden Kinderkliniken bald Flohmarkt-Ware?

 

Frankfurt am Main/Regensburg, 23. Juni 2011Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit ist in Deutschland ein Ausverkauf der Kinderheilkunde im Gange. Spätestens seit Umstellung der Krankenhausfinanzierung auf die Fallpauschalen-Regelung im Jahr 2004 ist es erklärtes Ziel der Kassen, die Anzahl der Kliniken massiv zu reduzieren. Tatsächlich aber trifft es die Kindereinrichtungen. Jetzt kann man erstmals auf eBay eine Kinderklinik ersteigern.

 

Verglichen mit der Geschichte der Erwachsenen-Medizin ist die Kinderheilkunde ein junges Fachgebiet. Die erste deutsche Kinderklinik wurde 1829 als Abteilung der Berliner Charité eingerichtet. Die Kinder-Sterblichkeit lag damals bei über 90%. Dass heute in Deutschland nur noch knapp 0,5 % aller Neugeborenen sterben, liegt vor allem an der fulminanten Entwicklung im Fachbereich Kinderheilkunde der letzten 100 Jahre. Ganze Generationen von Ärzten und Pflegekräften haben sich weit über die Grenzen ihres Berufsfeldes dafür eingesetzt, dass die im Vergleich zu einem kranken Erwachsenen viel umfassenderen Bedürfnisse kranker Kinder genügend berücksichtigt werden. In Studien wurde belegt, dass Kinder im Krankenhaus einen gut 30% höheren Versorgungsaufwand haben als Erwachsene. Das kann man rasch nachvollziehen alleine schon am Beispiel einer Blutabnahme: kommt morgens die Laborschwester in ein Krankenzimmer mit Erwachsenen, hat sie die notwendigen Blutproben in kürzester Zeit. Bei einem Einjährigen sind die Blutgefäße nicht so leicht zugängig und einem Baby ist eben kaum plausibel zu machen, dass die Blutprobe notwendig ist. Diesem Mehraufwand aber wird nicht ausreichend Rechnung getragen – und die Politik schaut weg.

 

Dabei ist die Kinderheilkunde eine äußerst sparsame Medizin. 13% der deutschen Bevölkerung sind Kinder bis zum 15. Lebensjahr. Die Gesamtausgaben im Gesundheitsbereich für diese Altersgruppe betragen hingegen nur 6%. Gerade im Krankenhaus arbeiten Kinderärzte vor allem unter der Prämisse, ihre kleinen Patienten soschonend und zügig wie möglich zu behandeln, damit sie rasch wieder nach Hause können. Bestes Beispiel hierfür ist der Indikator der Verweildauer im Krankenhaus: für Kinder liegt sie inzwischen bei 4,3 Tagen, während sie bei Erwachsenen immer noch bei über 7 Tagen liegt.

 

Gerade der Kinderarzt wird so wenig wie eben möglich an Geräte-Diagnostik einsetzen. Je jünger sein Patient ist, desto eher setzt ein Kinderarzt so viel wie möglich auf die „sprechende und beobachtende Medizin“. Das aber kostet Zeit – ein Faktor, den das derzeitige Gesundheitssystem nicht honoriert. All dies sowie eine enorm gewachsene Bürokratie und eine teilweise unsinnige Vorschriftenlast, bedroht die Existenz der Kinderkliniken.

 

Inzwischen machen die Kostenträger auch keinen Hehl mehr daraus, dass sie die derzeit ca. 350 stationären Kindereinrichtungen auf maximal 70 bis 100 Kinderkliniken und –stationenabbauen möchten. In Ballungsgebieten wie zum Beispiel Nordrhein-Westfalen wäre eine Reduzierung tatsächlich sinnvoll. Für Flächenregionen wie z.B. Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern usw. wäre eine solche Entwicklung problematisch.

Für unzählige Familien mit kranken Kindern, die ohnehin nicht zu den finanziell Gesegneten in diesem Land gehören, wäre eine Kinderklinik einfach nicht mehr erreichbar.

 

Übrigens: die auf eBay angebotene Kinderklinik ist die einzige Fachklinik für Rheuma-Kinder südlich der Mainlinie. Wer rettet unsere Kinderkliniken vor dem Ausverkauf auf dem Flohmarkt?

 

Ansprechpartner:

Julia von Seiche-Nordenheim, Bundesvorsitzende/Presse-Sprecherin,

Harzstrasse 34 a, 93057 Regensburg;

Tel: 0941 – 62 767, Fax: 0941 – 67 206

Mobil: 0172–862 19 66; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Web: www.akik.de.

 

 

AKIK: Der AKIK-Bundesverband und seine Ortsgruppen setzen sich für die bestmögliche medizinische, pflegerische, therapeutische, pädagogische und psychosoziale Behandlung akut und chronisch-kranker Kinder im Krankenhaus ein. Zahlreiche Aktivitäten verfolgen das Ziel, kranke Kinder und ihre Familien in deren schwieriger Situation zu unterstützen. Der AKIK verfasste zusammen mit anderen europäischen Schwesterverbänden die EACH (European Association for Children in Hospital)-Charta. Darin werden basierend auf entsprechenden Artikeln der UN-Kinderrechtskonvention in zehn Punkten die Rechte von kranken Kindern im Krankenhaus und deren Umsetzung beschrieben. Der AKIK ist initiativ sowohl für die Zeit vor als auch während und nach dem Krankenhaus-Aufenthalt eines Kindes.

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