Weihnachtsbrief 2010

„Man kann ja nicht immer nur meckern,

man muss auch was tun“

unbekannter Berliner Rapp-Musiker

im Sommer 2010

Liebe AKIK-Mitglieder,

liebe Freunde und Förderer unseres Elternverbandes,

bei einem sich zufällig ergebenden Gespräch in diesem Sommer erzählte der junge

Mann beiläufi g, dass er und seine Bandkollegen sich ehrenamtlich um Kinder

der Berliner Arche kümmern. Ist das nicht eine wunderbare Einstellung? Noch

dazu von einem Vertreter der so häufi g gescholtenen Jugendlichen!

Er bestätigte damit unbewusst einen Eindruck, den wir vom AKIK schon seit einiger

Zeit empfi nden: in unserer Gesellschaft ist etwas in Bewegung geraten, in

mehrfacher Hinsicht.

Da gibt es zum einen die Bewegung nach innen: Unserer Wahrnehmung nach

schottet sich die schwarz-gelbe Regierung in Berlin zunehmend ab und mag nicht

gerne auf wirkliche Kinder-Brennpunkt-Themen hinschauen. Trotz der Hilfe einiger

regionaler Abgeordneter hat es zum Beispiel gut acht Monate gedauert, bis wir im

Bundesgesundheitsministerium einen Termin zur Anhörung unserer Probleme erhielten.

In diesen knapp 60 Minuten wurden wir dann eher abgehandelt als angehört.

Infolge solcher „Wagenburg-Mentalität“ beginnen Kinder-Versorgungsstrukturen

in Schiefl age bis hin zur Existenzgefährdung zu geraten.

Quasi als Antwort darauf aber gibt es auch die hoffnungsvolle Bewegung nach

außen: Menschen beginnen sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen,

viel mehr und ganz andere als noch vor ein paar Jahren. Ohne eine Wertung vornehmen

zu wollen, seien hier als Stichworte nur genannt: „Stuttgart 21“, „Anti-

Atomkraft-Demos“ oder eben der eingangs zitierte junge Rapper.

Wir vom AKIK-Bundesvorstand werden auch weiterhin in Bewegung bleiben, um

den betroffenen Kindern und ihren Familien zur Seite zu stehen und größere Schäden

von den bisherigen guten Strukturen abwenden zu helfen. Je mehr Menschen

uns dabei unterstützen, um so mehr können wir erreichen.

Wir sagen DANK allen, die uns in 2010 unterstützt und die Treue gehalten haben,

begrüßen neue Mitglieder auf das Herzlichste, wünschen denen, die in unseren

Reihen neue Aufgaben übernommen haben, viel Kraft und Mut und Ihnen allen

eine gesegnete Adventszeit, eine frohe Weihnacht und Glück und Gesundheit im

Neuen Jahr.

Gleichzeitig möchten wir Sie bereits jetzt herzlich einladen zu unserer Mitgliederversammlung

am 14.05.2011.

Ihr AKIK-Bundesvorstand

AKIK-aktiv

AKIK im Schulterschluss

Professor Dr. med. Gerd Eldering, wegweisender Geburtshelfer und langjähriger Weggefährte

des AKIK, machte uns auf ein Problem bei schwangeren Inhaftierten aufmerksam.

In einigen deutschen Haftanstalten war es Usus, dass schwangere Straftäterinnen (überwiegend

aus dem Drogenmilieu) nur gefesselt entbinden konnten.

Noch verbreiteter aber ist, dass in Deutschland in den meisten Fällen inhaftierte Mütter

ihr gesundes(!) Kind direkt nach der Geburt weggenommen bekommen, es damit auch

nicht stillen können und so die ungemein wichtige Bindung nicht stattfi ndet. Professor

Eldering rief ins Thema involvierte Verbände zusammen, knüpfte Kontakt zu den Medien

und dank der Hilfe eines sehr gut recherchierenden Journalisten konnte dieses Problem

ins Bewusstsein von Politikern gebracht werden. Beim Thema „Fesselung bei der Geburt“

konnte ein Umdenken bewirkt werden; beim Thema „Trennung von Mutter & Kind“

leider noch nicht. Aber gemeinsam mit Professor Eldering bleiben wir hier dran.

AKIK auf Augenhöhe

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin mit ihrem Generalsekretär Prof.

Dr. med. Hans-Jürgen Nentwich ist quasi das Dach und der Moderator aller deutschen

Fachgesellschaften in der Kindermedizin und Kinderkrankenpfl ege. Mit Professor Nentwich

sitzt das AKIK in vielen Gremien und Arbeitsgruppen in dem permanenten Bemühen,

Versorgungsstrukturen und Versorgungsqualität in der Kinder- und Jugendmedizin zu

erhalten und zu verbessern.

So freute es uns im Frühjahr dieses Jahres ganz besonders, dass Professor Nentwich

im Namen der Deutschen Akademie dem AKIK Sitz und Stimme in der Akademie anbot.

Diese Einladung nahmen wir sehr gerne an. Nunmehr sind also die Elterninteressen auf

Augenhöhe mit allen relevanten Gesellschaften in der Kindermedizin vertreten. Vor allem

hinsichtlich eines politischen Lobbyismus ist dies in unseren Augen eine ausgesprochen

positive Entwicklung – ein weiterer Schritt auf dem Weg, Entscheidungsträgern gegenüber

für kranke Kinder und deren Familien mit einer Stimme zu sprechen.

AKIK & der Erhalt von Kinderkliniken

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), ein Bundesgremium mit gesetzgeberischer

Kraft, in dem Kostenträger (=Kassen) und Leistungserbringer (=Ärzte und Krankenhäuser)

darüber verhandeln, welche Leistungen in welcher Höhe vergütet werden, hat im

Sommer dieses Jahres mit der sogenannten „Mindestmengen-Regelung“ ein weiteres

Mal binnen Jahresfrist in die Versorgungsstrukturen von Kinderkliniken eingegriffen.

Selbstverständlich begrüßen wir jede Verbesserung in der Versorgung von Frühgeborenen.

Nur halten wir den Weg über Mindestmengen, die sich zudem ausschließlich am

Geburtsgewicht des Frühchens orientieren und den Gesamtzustand des Kindes außer

Acht lassen, für einen nicht geeigneten Weg zur Verbesserung der Versorgungsqualität.

Im Gegenteil: Qualifi zierte Kinderärzte- und Kinderkrankenschwesternteams werden nur

noch in den Ballungsräumen zur Verfügung stehen; kompetente Teams werden aus den

Flächenregionen verschwinden. Dies, so fürchten wir, könnte der (von den Kassen schon

länger angepeilte?) Einstieg in den Ausstieg der stationären Kinderversorgung sein. Entsprechend

dem jüngsten G-BA-Beschluss für Früh- und Neugeborene dürfen ab dem

1.1.2011 bundesweit nur noch ca. 70 Kinderkliniken an der Versorgung dieser Patienten

teilnehmen. Zwölf von 16 deutschen Bundesländern aber sind Flächenländer. Hier bekommen

Familien von Frühchen richtig Probleme, die in den G-BA-Sitzungen kaum bis

überhaupt nicht diskutiert wurden. Der Einsatz für den Erhalt fl ächendeckender, guter

Versorgungsstrukturen wird auch im kommenden Jahr eine unserer Hauptaufgaben bleiben.

Aktuelles

  • Weihnachtsbrief 2017

    Liebe Freunde und Mitglieder des AKIK-Bundesverbandes,
    mit großer Vorfreude blicken wir auf das kommende Jahr,

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    Presseinformation zum 20. Tag des Kinderkrankenhauses am  17. September 2017

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    Nachdem die Regierungskoalition keine Notwendigkeit mehr für eine weitere öffentliche Anhörung sah,

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  • Jahresbericht 2016

    Der Jahresbericht 2016 ist online!

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  • Pflegeberufereformgesetz - Öffentliche Anhörung gefordert

    Nachdem Anfang April ein Kompromiss für die Pflegeausbildung im Rahmen des Pflegeberufereformgesetzes gefunden wurde,  

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    Ihr Kind muss bald ins Krankenhaus oder interessiert sich für das Thema Kinder im Krankenhaus?  

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  • Pflegeberufereform: Umsetzung entscheidet über gute Pflege von Kindern

    Presseinformation - 25.04.2017: Nach der Einigung der Koalition über eine Reform der Pflegeberufeausbildung müssen nun die Details festgelegt werden: 

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  • Start der 5. Bewertungsrunde - Ausgezeichnet.Für Kinder

    Ab sofort startet die 5. bundesweite Bewertungsrunde für das Gütesiegel "Ausgezeichnet.Für Kinder". 

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  • Pflegeberufereform – Kompromiss gefunden

    Am 06.04.2017 einigten sich die Fraktionen der großen Koalition auf einen Kompromiss zum Pflegeberufegesetz.

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  • 05.04.2017 - 25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention in Kraft

    Genau vor 25 Jahren, am 05.04.1992, trat die UN-Kinderrechtskonvention in Kraft und

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  • Offener Brief kritisiert politischen Umgang mit der Pflegeberufereform

    Presseinformation - 14. Februar 2017: „Zukunftssicherung einer guten Pflege auch für Kinder sieht anders aus“

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  • Frohes neues Jahr 2017

    "Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird wenn es anders wird;
    aber so viel kann ich sagen, es muss anders werden, wenn es gut werden soll."

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