Sind deutsche Kinderkliniken in Gefahr?

Aktionskomitee Kind im Krankenhaus e.V. warnt vor Zerschlagung von
Versorgungsstrukturen für kranke Kinder

Frankfurt am Main/Regensburg, 09. Juni 2010 – Mitte Juni wird auf Antrag der
Krankenkassen der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) erneut einen Beschluss fassen zur
Versorgung von Früh- und Risikogeborenen in Deutschland. Wie schon unter
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, streben die Kassen offensichtlich unter dem Deckmantel
der „Mindestmengen-Regelung“ eine massive Reduzierung der Kinderintensiv-Abteilungen an.
Damit aber droht nach Ansicht des Elterverbandes AKIK e.V. die generelle Zerschlagung von
guten medizinischen Versorgungsstrukturen für kranke Kinder in Deutschland.


Die Behandlungsqualität von Früh- und Neugeborenen befindet sich in Deutschland auf einem
sehr guten Niveau. Auf Betreiben der Kassen und einiger Gruppierungen wurden dennoch
binnen kurzer Zeit vom Gemeinsamen Bundesausschuss vier Beschlüsse mit weitreichender
Bedeutung verbindlich vorgeschrieben, die massiv in die deutsche Kinderkrankenhaus-
Versorgung eingriffen. Drei der vier Beschlüsse beziehen sich auf sogenannte Mindestmengen
von sehr kleinen Frühgeborenen mit einem Gewicht von unter 1.500 gr. Welche Struktur-
Veränderungen diese Beschlüsse tatsächlich verursacht haben, wird sich erst in einiger Zeit
herausstellen. Obwohl vom G-BA als auch vom Bundesgesundheitsministerium gefordert, liegt
immer noch keine Bewertung der Auswirkung der bisherigen Beschlüsse vor. Eine
hervorragende Übersicht sowie Vorschläge zu einer Optimierung der neonatologischen
Versorgung in Deutschland erschien kürzlich in der Zeitschrift „Das Krankenhaus“ (Jochum, F./
Sonntag, J./Sinnecker „Optimierte neonatologische Versorgung in Deutschland“).


„Ohne Abschätzung der Auswirkungen beispielsweise auf die Notfallversorgung von Frühchen
jetzt schon wieder eine Erhöhung der Mindestmengen ins Spiel zu bringen, ist unverantwortlich
von den Kassen“, so Julia von Seiche-Nordenheim, Sprecherin des AKIK e.V.
Seit vielen Jahren tritt das AKIK für eine qualitativ gute, flächendeckende Versorgung von
kranken Kindern und Jugendlichen ein. Grundsätzlich begrüßt der Verband jede Verbesserung
bei Behandlung kranker Kinder. Wichtig seien vor allem die Erfassung der Komplikationsraten
sowie die Vermeidung von Frühgeburten an sich. „Als Qualitätskriterium aber ausschließlich die
behandelte Fallzahl an Frühgeborenen gelten zu lassen, ist allerdings entschieden zu kurz
gegriffen, entspricht nicht wissenschaftlichen Kriterien und gefährdet die
Versorgungsstrukturen insgesamt für kranke Kinder und Jugendliche“, ist die
Verbandsvorsitzende überzeugt.

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