Im Vermächtnis an eine große Frau unseres Elternverbandes

Irm Folkers
1924 - 2009

Wenn heute Eltern in Deutschland ihr krankes Kind ganz selbstverständlich in der Klinik rund um die Uhr begleiten können, so ist dies der große Verdienst von Irm Folkers und ihren Mitstreiterinnen.

Im Jahre 1968, dem Jahr der Studentenbewegungen, in dem sich Irm Folkers und ihre Mitstreiter zusammengetan haben, waren die Aktiven bereits gestandene Väter und Mütter und hatten genug vom Zusehen und von der Trennung ihrer Kinder im Krankenhaus.
Es galt Veränderungen in den Kinderkrankenhäusern für alle Kinder und Jugendliche zu schaffen. Sie hatten eine provokative Zukunftsvision: Es galt die schreckliche Besuchszeitregelung von zwei bis drei Stunden die Woche nun auf eine „Elternmitaufnahme“ rund um die Uhr zu erweitern.

Wer damals von diesen Plänen hörte, dem sträubten sich die Haare, und der damalige Chefarzt einer Frankfurter Kinderklinik konterte: „Das ist doch eine Modekrankheit, was Sie wollen!“

Irm Folkers und ihre Mitstreiterinnen ließen sich dennoch nicht beirren, denn zu groß schmerzte die Trennung von den Kindern während deren Krankenhausaufenthaltes. Zudem durften Eltern ihre Kinder oft nur hinter der Glasscheibe sehen. All dies ließ Irm Folkers einfach nicht mehr los. Sehr bald fand sie bei Ärzten, Psychologen, Pädagogen, Soziologen und auch bei der ein oder anderen Krankenschwester Gehör, die theoretische und praktische Unterstützung gaben.

Nun war der Weg frei und das Aktionskomitee KIND IM KRANKENHAUS (AKIK) Bundesverband, wurde am 24. April 1970 in Frankfurt am Main gegründet. 

Immer notwendiger wurde auch die Arbeit „vor Ort“. Bis Anfang der 90er Jahre waren es schon über 80 Gruppen in Deutschland, die sich ehrenamtlich um eine gezielte Elternmitaufnahme in den Kinderkrankenhäusern engagierten. Bereits 1975 wurde erstmals ein
Bundesvorstand gewählt. Das erste orangefarbene Elternmerkblatt, sowie Plakate mit Gitterbettmotiv gingen in Druck, und wurden an aktive Gruppen und in den Krankenhäusern und Arztpraxen verteilt.

Wer Irm Folkers kannte, war vor Überraschungen nie sicher. Das lag nicht nur am Temperament und der Originalität ihres sehr sympathischen Wesens, sondern auch an der Beweglichkeit ihres Verstandes, wie sie Dinge formulierte, ausdrückte und zur Sprache brachte. Ihr unermüdlicher Einsatz brachte ihr 1975 den Theodor-Heuß-Preis, 1978 das Bundesverdienstkreuz und 1979 die Walter-Möller-Plakette für bürgerschaftliche Mitarbeit ein. Diese Auszeichnungen wertete sie aber auch immer als großen Verdienst ihrer Mitstreiter. Im Jahre 1985 trat sie als erste AKIK Bundesvorsitzende zurück und engagierte sich ab dieser Zeit in der „LIGA in Familie und Gesellschaft“.

Irm Folkers hat ihr Wirken stets als eine Lobby für Kinder empfunden: „Lachen macht menschlich, steckt an, löst Spannungen, verbreitet Freude. Welches Glück das erste Lächeln im Gesicht eines Säuglings zu sehen, und wie groß die Hoffnung, dass dieses Lachen ihm erhalten bleibt, und es durch sein Leben positiv begleitet!“, äußerte sie in einer Festrede zum 10-jährigen Bestehen der AKIK-Gruppe Gaggenau Baden-Baden Rastatt im Jahre 1993 in der Baden-Badener Stadtklinik.

Dass die Forderung einer Mitaufnahme keine Modekrankheit war, hat die Folgezeit bewiesen. Seit jetzt über 45 Jahren verschafft AKIK den Bedürfnissen der kleinen Patienten Gehör.

Wir als "Kinder und Enkel" von Irm Folkers können uns nur vor ihrem Lebenswerk in Dankbarkeit verneigen. Wir freuen uns im Sinne von Irm Folkers mit AKIK auch weiterhin für die Kinder im Krankenhaus aktiv zu sein.

Monika Werner

(ehemalige AKIK-Bundesvorsitzende)

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